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Vorstellung und Beschluss über das Einzelhandels- und Vergnügungsstättenkonzept für die Stadt Schrozberg

Die GMA –ausgeschrieben Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH - mit Sitz in Ludwigsburg wurde vom Gemeinderat im Februar 2020 mit der Ausarbeitung einer entsprechenden Strukturanalyse und der Erstellung einer Konzeption beauftragt.

Bereits im Jahr 2004 war das Unternehmen damals in einer Gemeinschaftsaktion zusammen mit der Stadt Niederstetten für die Kommunen tätig – seinerzeit wurde der Besatz sowie die Entwicklungsmöglichkeiten im Einzelhandel/Dienstleistung/Gewerbe für die beiden Gemeinden untersucht und auch eine Reihe von Entwicklungsmaßnahmen auf den Weg gebracht.

Bei der neuerlichen Untersuchung ging es darum, den Status Quo in Schrozberg zu erheben, zu bewerten und daraus Entwicklungsmöglichkeiten herzuleiten. Insbesondere aber ist eine solche Konzeption unerlässlich bei Bauleitverfahren vor allem für gewerblich genutzte Flächen. Fehlt eine solche Konzeption können Rechtsverfahren gegen Bauleitpläne schon allein deshalb erfolgreich sein.

In der vergangenen Sitzung des Stadtparlamentes berichtete Markus Wagner von der GMA von den gewonnenen Erkenntnissen, die von Expertenseite doch gar nicht so schlecht beurteilt werden. So reicht das Einzugsgebiet für das Schrozberger Einzelhandelsbetreiber zumindest bis in die Nachbargemeinden und hält  vor allem im Bereich Lebensmittelhandel, Bau- und Gartenbedarf, Schuhe und Bekleidung die Kaufkraft vor Ort. Betrachtet man dazu noch die Zahlen, so bleiben rd. 30,6 Mio. € von der ermittelten Kaufkraft von 100 Mio. € vor Ort – ein stolzer Wert von 30 %, der sich sehen lassen kann. Geht man dann noch weiter in die Tiefe und vergleicht die Anzahl der Betriebe, so lässt sich im Vergleich zu Zahlen aus 2014 eine Steigerung von 33 auf 43 Betriebe und ein Anstieg der Verkaufsfläche um 855 m2 auf 9.985 m2 festmachen – auch das eher eine unübliche Entwicklung für eine Kommunen in der Größenordnung von Schrozberg.

Im Rahmen der Studie erfolgten auch Haushaltsbefragungen, bei der 177 Fragebögen ausgewertet werden konnten. Hier geben rd. 74 % der Befragten an, mindestens einmal pro Woche in Schrozberg einzukaufen, was natürlich zu der hohen Kaufkraftbindung passt. Bei der Befragung wurden noch weitere Fragen insbesondere zu Verbesserungen/Verschlechterungen in der Ortsmitte erhoben, die sicherlich noch Potential zu einer ausführlichen Aufbereitung bieten. Ebenfalls die Befragung, die bei Einzelhändlern aus Dienstleistung und Gastronomie sowie weiteren Experten aus Wirtschaft und Gesellschaft durchgeführt wurden, erbrachte ein „positives Stimmungsbild mit Bereitschaft, weitere Potentiale zu heben“ – so zitiert aus der Präsentation von Markus Wagner.

Resümee des Experten – und das haben die Stadträte sicherlich gerne gehört: Schrozberg ist bereits heute sehr gut aufgestellt, was sich bei einem Vergleich mit den umliegenden Kommunen besonders deutlich zeigt. Doch es bleiben noch Themenfelder, die durchaus vertieft werden könnten – Markus Wagner nannte hierzu die Aufenthalts- und Verweilqualität im Innenort, wobei hier bereits Aktivitäten vorhanden sind. Aber auch Freizeitqualität, Vermarktung, Kommunikation, Weiterentwicklung der traditionellen Veranstaltungen oder Schaffung von Alleinstellungsmerkmalen beim Gewerbe könnten Diskussionsfelder sein.

Schlussendlich kam der Experte der GMA dann aber wieder zurück zum Ziel der beauftragten Konzeption. Insofern soll zentrumsrelevanter Einzelhandel nicht in Gewerbegebieten zugelassen werden, um das Ortszentrum vor einem „Aussterben“ zu bewahren – Tascheneinkäufe müssen im Innenort bleiben. Umgekehrt soll das nicht-zentrumsrelevante Sortiment im Einzelhandel in den Gewerbegebieten stationiert werden. Diese Leitlinie könnte nun als Konzept für die Weiterentwicklung im gewerblichen Bereich insbesondere bei Bauleitplanungen für Schrozberg manifestiert werden.

Weiterhin war die GMA beauftragt, zudem eine Konzeption im Blick auf Vergnügungsstätten auf den Weg zu bringen, auch wieder mit dem Leitziel, solche Betriebe nur in ganz bestimmten Bereichen zuzulassen. Störfaktoren bei solchen Betrieben ergeben sich oft im Umfeld der Standorte, sogenannte „Trading-Down-Effekte“, weshalb hier viele Kommunen auf eine Steuerung der Ansiedlung hinzielen. Markus Wagner konstatierte dazu, dass es derzeit zwar Gaststätten mit einem gewissen Begleitangebot in Schrozberg gibt, diese aber nicht als Vergnügungsstätten im rechtlichen Sinne zu sehen sind. Für Schrozberg schlug Markus Wagner einen Bereich im Gewerbe-Gebiet Sigisweiler Straße vor.

Bei der Diskussion im Gemeinderat kamen Anmerkungen zum Umfang der Ausarbeitung und Nachfragen zur Haushaltsbefragung zur Sprache. Zudem war auch ein Hinweis auf die Möglichkeit, einen vom Regionalverband Heilbronn beschäftigten Innenstadtberater zu Rate zu ziehen, wertvoll. Jedenfalls – so die Schlussbemerkung aus der Mitte der Räte – sollte diese Ausarbeitung nicht nur für die Schublade sein, sondern weitere Beachtung finden.

Die Beschlussfassung der Konzepte als Leitlinie für die kommunale Bauleitplanung im gewerblichen Bereich erfolgte schlussendlich einstimmig.

 

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