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Mulchen nicht mehr zeitgemäß

Beim Mulchen haben die in den Wegseitenstreifen lebenden Kleintiere kaum Überlebenschancen. Das ist die Erkenntnis, die inzwischen im Blick auf den Artenschutz und den Erhalt der Artenvielfalt das Mulchen als kritisch und absolut nicht mehr zeitgemäß einstuft.

Die Stadt hat insgesamt ca. 112 km Gemeindeverbindungsstraßen und nochmal etwa 280 km Feldwege zu unterhalten. Beides zusammen ergeben in etwa 800 km Bankette, die gepflegt werden sollen. Bei den Banketten der Gemeindeverbindungsstraßen wird derzeit vom Bauhof zweimal jährlich die Grünfläche abgemulcht. Aus Gründen der Verkehrssicherheit geht es in den Sommermonaten darum, den Bewuchs kurz zu halten, damit entlang der Straßen die Sicht frei bleibt. Die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs ist zu gewährleisten. Das Mulchgut verbleibt in diesem Fall an Ort und Stelle. Diese Methode ist schnell und kostengünstig. Entlang der Feldwege mulcht der Bauhof schon seit einigen Jahren nur in Ausnahmefällen. In der Regel übernehmen das die Landwirte, deren Grundstücke an die Wege angrenzen. Hierzu leihen sich die Landwirte z.B. vom Maschinenring ein Mulchgerät aus, dessen Kosten von der Stadt übernommen werden. Gemulcht werden dann die Bankette einschließlich der evtl. vorhandenen Wegseitengräben. Es soll hierdurch die Verunkrautung der Ackerflächen vom Wegrand aus verhindert werden. Ebenso sollen die Landwirtschaftsflächen gut zugänglich sein.

Wenn man zurückkehrt zu der Methode, wie sie vor einigen Jahrzehnten noch gängig war, landet man wieder beim Mähen. Hier gibt es zwischenzeitlich schon Mäher mit einer „Aufscheucheinrichtung“, die die Insekten und das Kleingetier vor dem Mäher warnt. Der Schnitt selber kann dann so hoch liegen, dass die Lebewesen darunter überleben können.

Allerdings muss das Schnittgut dann später mit einem Ladewagen wieder aufgesammelt werden. Diese Möglichkeit ist wiederrum sehr aufwändig und teuer. Da es für das Schnittgut auch kaum Abnehmer gibt, muss es zusätzlich entsorgt werden.

Eine andere Möglichkeit wäre die komplette Unterlassung einer Mahd. Man könnte evtl. die Flächen für einige Jahre unberührt lassen. Allerdings wird dann nach wenigen Jahren ein größerer Eingriff notwendig werden, um eine zu erwartende Verholzung abzuwehren. Die Frage ist nun, ob und wenn ja wie hier dem Zweck der Erhaltung der Artenvielfalt Rechnung getragen werden kann. Ein Vorschlag wäre, versuchsweise außerhalb von Kreuzungs- und Kurvenbereichen entlang von Feldwegen und auch von Gemeindeverbindungsstraßen eine der oben genannten Möglichkeiten umzusetzen. Es ist zu erwarten, dass sich bei allen Beteiligten erst nach einer gewissen Zeit ein Umdenken bzw. die Akzeptanz einstellen wird. Ähnlich hat es sich auch mit der insektenfreundlichen Ansaat auf städtischen Flächen (Gailwiesle, Kochendörfergelände etc.) verhalten.

Auch bei diesem Thema entwickelte sich eine muntere Diskussion. Wie schon bei einer früheren Aussprache zu dem Thema brachte ein Ratsmitglied nochmals ein Hinweis zu möglichen Förderprogrammen auf, die einen kleinen Anreiz bilden könnten.

Letztendlich kam es wieder zu einer einmütigen Beschlussfassung ohne Gegenstimmen oder Enthaltungen. Die Verwaltung soll mit den Ortsvorstehern und in Abstimmung mit den Ortschaftsräten Testflächen suchen. Über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren können diese Flächen unberührt bleiben bzw. wie dargestellt schonend gemäht werden. Mit den Ergebnissen soll dann die Diskussion hin zu machbaren Alternativen zum günstigen, aber tiermordenden Mulchen fortgesetzt werden.

 

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