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Vorgehensweise bei der Bauplatzvergabe

Rund eine Stunde diskutierte der Gemeinderat zu diesem Thema, ein Beschluss war zum Ende von vorne herein nicht vorgesehen. Schon öfters wurde vom Gemeinderat der Wunsch geäußert über die vorhandenen Bauplätze und geplanten Erweiterungen von Baugebieten informiert zu werden. Bürgermeisterin Förderer begann ihre Einführung zu diesem Thema mit Zahlen zu den in den letzten Jahren verkauften Bauplätzen. Alleine in den Baugebieten in Schrozberg verkaufte die Stadt in den letzten drei Jahren 27 Bauplätze. Weitere zehn Plätze wurden in den Teilorten veräußert. Bisher lief die Vergabe von diesen Plätzen nach dem sogenannten „Windhundprinzip“, d.h. nach Erschließung eines Baugebietes konnten sich Interessenten melden, Plätze kostenlos reservieren und dann kaufen. Auch konnten Interessenten jederzeit wieder problemlos abspringen. Das sind für den Käufer sehr günstige Voraussetzungen was wiederrum zur Folge hat, dass die Plätze insbesondere bei der derzeitigen Baukonjunktur sehr schnell vergriffen sind. Momentan sind in Schrozberg nur noch zwei Plätze frei im Baugebiet „Vorstadt“ zu haben. Im nächsten Abschnitt des Baugebietes „Brühl Nord“ könnten 18 neue Plätze entstehen, hierfür gibt es aber bereits jetzt schon 16 Interessenten. Dies bedeutet, dass eigentlich sofort nach Erschließung auch diese Fläche verbraucht sein würde. Für Wohnbebauung ist im aktuellen Flächennutzungsplan dann nur noch eine weitere Fläche vorgesehen, welch auch im Besitz der Stadt ist. Diese befindet sich am Ende des Wurzgartens und hier könnten nach einer ersten Einschätzung bei einer durchschnittlichen Größe von ca. 600 m² pro Platz und der Einplanung der verkehrstechnischen Erschließung etwa 40 Bauplätze entstehen. Beim aktuellen Verkaufstempo, so Bürgermeisterin Förderer bei ihrer Ausführung, würde das für voraussichtlich höchstens fünf Jahre reichen. Die Schwierigkeit dann, so die Bürgermeisterin, wäre zum einen die Genehmigung von weiteren Flächen im Flächennutzungsplan und auch der Erwerb von möglichen Grundstücken. Außerdem berichtet sie bei einer dementsprechenden weiteren Entwicklung von einer sogenannten „Donut-Effekt“ – innen leer und außen voll. Nicht umsonst hat der Gemeinderat auch mit dem Beschluss zum sogenannten Baukindergeld die Weichen in Richtung Innen- statt Außenentwicklung gestellt, genau um solch eine „Donut-Entwicklung“ zu vermeiden bzw. dieser entgegenzuwirken. Bei einer kürzlich stattgefunden Leerstandserhebung hat sich gezeigt, dass es etwa 50 bis 60 freie Bauplätze und leer stehende Wohnhäuser in Schrozberg gibt. Doch auch hier konnte die Diskussion im Rat keine Antwort darauf geben, wie man genau an solche Grundstücke und Gebäude kommt, wenn die Besitzer im Moment kein Interesse an einem Verkauf oder Vermietung haben. Weiter sollte bei einem pausenlosen Angebot von neuen Bauplätzen die Belange der integrativen Gerechtigkeit bedacht werden – in zehn Jahren oder auch später sollte für nachfolgende Generationen auch noch die Möglichkeit für Neubauten in einem neuen Wohnbaugebiet vorhanden sein. Auch deshalb sollte darüber nachgedacht werden, sparsamer mit der zur Bebauung der zur Verfügung stehenden Flächen umgegangen werden sollte. Bürgermeisterin Förderer berichtete von mehreren möglichen Stellschrauben an denen gedreht werden könnte. Von der Erhöhung der Bauplatzpreise, welche sowieso nach derzeitigem Stand nicht kostendeckend sind, über die Verkleinerung der Bauplätze, Bauplätze in zeitlichen Abständen anzubieten und, wie in vielen anderen Gemeinden und Städten zwischenzeitlich schon praktiziert wird, ein Bewertungssystem. In den Teilorten ist die Situation nach Aussage von Bürgermeisterin Förderer noch nicht ganz so drastisch, die Belegung von Baugebieten dauert hier für gewöhnlich länger. Aber der Bauboom der letzten Jahre hat sich auch hier bemerkbar gemacht.

Bürgermeisterin Förderer betonte während der Diskussion zu diesem heiklen Thema immer wieder, dass dieser Sachverhalt ohne Beschlussfassung zur Diskussion gestellt werden sollte.

Zahlreiche Wortmeldungen aus den Reihen der Gemeinderäte und auch Ortsvorsteher zeigten die Brisanz dieses Themas. Bei den Ortsvorstehern stand die Notwendigkeit neuer Bauplätze für Interessiert nicht zur Diskussion, sind doch neue Einwohner dort wichtig für den Erhalt der Gemeinschaften. Aber auch zu Schrozberg gab es viele Kommentare. Stadträte äußerten Lob dafür dieses Thema frühzeitig zur Diskussion zu stellen, stellten aber auch gleich fest, dass hier der Gemeinderat wenig Einfluss hat und solche Dinge an anderer Stelle geregelt werden müssten, schließlich stehe man hier in gewisser Konkurrenz zu anderen Gemeinden. Für andere Gemeinderäte war schnell klar, Schrozberg muss schnell erschließen, um möglich Bauinteressenten Bauplätze anbieten zu können.

Am Ende bat Bürgermeisterin Förderer darum, alle Anregungen und Gedanken mitzunehmen, nachwirken zu lassen und im Laufe des Jahres wieder darüber zu diskutieren.

Unser Bild zeigt das Baugebiet "Brühl-Nord". Zwischenzeitlich sind hier alle Plätze verkauft bzw. reserviert und zum größten Teil bereits bebaut.