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Wird aus dem Krankenhaus eine Pflegeeinrichtung?

Ein brisantes Thema, mit dem sich der Schrozberger Gemeinderat in seiner letzten Sitzung befassen musste, war die künftige Existenz des wohl kleinsten Krankenhauses in Baden-Württemberg. Wie brisant dieses Thema ist, zeigte sich schon an den voll besetzten Besucherstühlen. Das Krankenhaus besteht derzeit aus 25 Planbetten.

Bürgermeister Klemens Izsak zeigte zunächst die Entwicklung des Krankenhauses in den letzten Jahren auf. Früher waren im Schrozberger Krankenhaus einmal Chirurgie, Gynäkologie und eine innere Abteilung. Schon vor zwei Jahrzehnten mussten die ersten Bereiche geschlossen werden. Seit dem wird das Krankenhaus als inneres Belegkrankenhaus geführt. Bei der vorletzten Fortschreibung des Krankenhausbedarfsplanes wurde das Krankenhaus von 38 Betten auf 35 reduziert. Dies war nicht besonders dramatisch. Bei der letzten Fortschreibung des Krankenhausbedarfsplanes kamen die Kassen und das Sozialministerium zu dem Ergebnis, dass auf Grund der behandelten Fälle für Schrozberg ein Krankenhaus mit 20 Belegbetten ausreichend ist. Dies ist allerdings eine Größenordnung in der ein Haus schon nicht mehr wirtschaftlich geführt werden kann. Schon damals drohte das Aus des Städtischen Krankenhauses. Mit großem Einsatz ist es der Stadt gelungen, 25 Betten zu erhalten. Dazu waren Gespräche im Sozialministerium, beim Landesverband der AOK und vieles mehr notwendig. Der damalige Sozialminister Dr. Vetter wurde persönlich angegangen. Durch gemeinsames Bemühen aller Beteiligten konnten 25 Betten erhalten werden. Aus heutiger Sicht muss man aber sagen, dass die damaligen Feststellungen des Ministeriums und der Kassen, dass 20 Betten ausreichend seien, mehr als eingetroffen sind. Die tatsächliche Entwicklung der Berechnungstage ist sehr stark rückläufig.


Jahr Berechnungstage:
1993 12.217
1994 11.937
1995 11.393
1996 10.878
1997 9.737
1998 7.324
1999 7.071
2000 6.749
2001 6.304 (hochgerechnet)

Diese Zahlen belegen, dass sich die Berechnungstage in den letzten acht Jahren nahezu halbiert haben.

Der drastische Einbruch kam vom Jahr 1997 auf das Jahr 1998, als die Bettenzahl reduziert wurde und insbesondere die Verweildauer gesenkt werden musste.

Für das Jahr 1999 und für das Jahr 2000 wurde das Budget auf der Basis der Belegung des Jahres 1998 vereinbart, nämlich bei rund 7.320 Berechnungstagen. Im Jahr 1999 fehlten 250 Berechnungstage, im Jahr 2000 schon 570 und wie die Hochrechnung zeigt, werden dies im Jahre 2001 schon rund 1.000 Tage sein.

Auf Grund der rückläufigen Belegung, haben die Krankenkassen deshalb bei den Budgetverhandlungen für das Jahr 2001 deutlich gemacht, dass sie auf Grund der zurückgehenden Berechnungstage und auch der zurückgehenden Fallzahl Abstriche beim Budget machen müssten. Sie haben, wie auch schon in den Jahren zuvor schon darauf hingewiesen, dass dieses Krankenhaus auf Dauer nicht existenzfähig sein wird.

Im Jahr 2003 soll das Abrechnungssystem umgestellt werden. Es gibt dann nur noch Diagnoseabhängige Entgelte, dies heißt bezahlt wird pro Krankenhausfall und Diagnose, unabhängig von der Liegezeit im Krankenhaus. Eine unabhängige Firma hat die bisherigen Patientenfälle des Städtischen Krankenhauses beurteilt, das Ergebnis war mehr als ernüchternd. Würde das Abrechnungssystem bereits jetzt umgesetzt, könnten zahlreiche Fälle gar nicht mehr abgerechnet werden, bei anderen Fällen wäre das Entgelt im Vergleich zur jetzigen langen Liegezeit bei weitem nicht auskömmlich. Diese Hochrechnung hat ein Verlust von mindestens 300.000,-- DM pro Jahr ergeben. Bei realistischer Betrachtungsweise kann deshalb das Städtische Krankenhaus, wenn es zur Umstellung des Entgeltsystems kommt, nicht weiter betrieben werden. Seitens der Verwaltung und der Kassen hat man sich überlegt, was mit diesem Hause weiterhin geschehen könnte. Derzeit ist die Nachfrage nach Pflegebetten enorm und viele können trotz des Neubaus des Altenpflegeheims in Schrozberg nicht ortsnah untergebracht werden. Bürgermeister Klemens Izsak brachte deshalb folgenden Vorschlag ein: Den jetzt bereits leerstehenden Teil des Krankenhauses so rasch als möglich in eine Pflegeeinrichtung umzuwandeln und den Kassen zu signalisieren, dass stufenweise in einem Zeitraum von rund zwei Jahren auch der restliche Teil des Krankenhauses in eine Pflegeeinrichtung umgewandelt wird. Die Krankenkasse haben gleichzeitig signalisiert, der Stadt für den Übergangszeitraum ein auskömmliches Budget in den Verhandlungen zuzugestehen.

Bürgermeister Klemens Izsak machte deutlich, und dies wurde auch von den Gemeinderäten so gesehen, auf Dauer kann das Schrozberger Krankenhaus nicht mehr betrieben werden. Alles andere wäre eine nicht realisierbare Illusion. Die Entwicklung auf dem Gesundheitswesen hat sich in den letzten Jahren sehr stark verändert und die Krankenhausstruktur wird sich in den nächsten Jahren noch dramatisch verändern. Die Fortschritte der Medizin erfordern immer kürzere Krankenhausaufenthalte, zudem können Kurzzeitpflegeplätze und ähnliches für viele seitherige Krankenhauspatienten ein Ersatz bieten.

Nach Aussage von Bürgermeister Klemens Izsak hat der Gemeinderat eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder er beeinflußt das Geschehen und sorgt dafür, dass dieses Krankenhaus in eine Folgeeinrichtung umgewandelt wird, erhält dadurch Arbeitsplätze und schafft eine positive Einrichtung für die Stadt oder aber man beharrt auf den Betrieb eines Krankenhauses wohl wissend dass dies über kurz oder lang wohl nicht mehr erhalten werden kann. Ob dann noch die Chance einer Umwandlung in eine Pflegeeinrichtung besteht, weiß man heute nicht. Mögliche Alternativen wie eine Geriatrieeinrichtung oder ähnlichem wurden schon vor Jahren intensiv überprüft und hatten keinerlei Aussicht auf Erfolg. Auch die sehr intensiven Bemühungen HNO-Betten zu bekommen, waren ergebnislos.

Von den Rednern im Gemeinderat wurde der Verlust des Krankenhauses bedauert, es konnten keine besseren Alternativen aufgezeigt werden. Im Gemeinderat wird deshalb in der nächsten Sitzung nicht viel mehr übrig bleiben, als die gewiss nicht einfach Entscheidung zu fällen, dass Städtische Krankenhaus in ein Pflegeheim umzuwandeln.